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2.1. Publizieren im digitalen Feld

Der traditionelle Literaturbetrieb ist dadurch charakterisiert, dass die Autoren Bücher schreiben, die sich dann von Verlagen auswählen, lektorieren, produzieren und bewerben lassen. Diese Aufgabenteilung wird heute in Frage gestellt. Die neuen Medien schaffen eine Dynamik und Flexibilität, die es Autoren ermöglichen, auch Produktion und Vertrieb selbst in die Hand zu nehmen. Behält der Autor auf der einen Seite die Selbstbestimmung und alle Rechte in Händen (auch über die Backlist), bieten Verlage andererseits ein Gütesiegel (die Verlagsmarke) sowie ein gut funktionierendes Distributionsnetz.

Neue Publikationsmodelle

Das Internet schafft für Bücher neue Schnittstellen zwischen Schreibenden und Lesern, die je nachdem die Verlage und / oder den Buchhandel übergehen und sich direkt übers Internet anbieten. Dem entsprechen neue Publikationsmodelle, die durch die neuen digitalen Techniken ermöglicht werden:

  • Selbstverlag (Books on Demand, Print on Demand)
  • eBooks
  • Individualisiertes Buch (customized book)

Die Frage ist, wie ich damit zu meinen Lesern finden kann.

 

Selbstverlag / BoD / PoD
Mittels eines Computers lässt sich heute ein Buch bis zur Druckreife selbst produzieren. Notfalls reicht dafür ein Schreibprogramm, das die Umwandlung des Textes ins PDF-Format erlaubt.
Es gibt verschiedenste Angebote im Internet, die dabei helfen, Bücher im Selbstverlag zu publizieren, z.B.

Die drei Angebote unterscheiden sich darin, dass die ersten beiden Bücher zum Verkauf anbieten, Amazon dagegen die Umwandlung in einen geschützten e-Book-Code verlangt. Lulu erlaubt die Publikation von epub und pdf und bietet zugleich Bücher an - mit allen Rechten beim Autor.

Espresso Book Machine (EBM)

Die Espresso Book Machine ist eine Apparatur, die voll integriert den gesamten Produktionszyklus vom elektronischen Text bis zum fertigen Buch durchführt. Binnen Minuten druckt, bindet, schneidet und klebt sie Bücher in Buchhandelsqualität. Inbegriffen ist eine EspressNet Software, mittels der Konsumenten innerhalb kürzester Zeit Zugang zu Millionen von Büchern aller Art erhalten. Damit eröffnen sich Wege, Bücher on Demand vor Ort, also in Buchläden beispielsweise, zu drucken. Noch kostet sie um die 80'000 Euro - vor der Serienfertigung.



Die Xerox Espresso Book Machine

link Linksammlung mit Angeboten für BoD u.ä.
link Literatur Medien Kritik als generiertes PDF auf Lulu

2.2. e-Books

Der Hype ebenso wie die Hoffnung der letzten Jahre heisst e-book, respektive: e-book-Reader. Texte werden elektronisch aufbereitet und per Download verkauft. Es gibt dafür verschiedene Format, wobei PDF, epub und das kindle-Format am gebräuchlichsten sind. Sie stellen unterschiedliche Anforderungen an die Programmierung. Als Reader dienen nebst den spezialisierten Geräten vor allem iPad und andere Tablets.
Amazon hat anfangs 2011 vermeldet, dass in den USA der Absatz an e-Books erstmals jenen an herkömmlichen Büchern überstiegen habe.

Was aber ist ein eBook? Heute wird darunter meist ein Buch verstanden, dass anstatt gedruckt in elektronischer Form verkauft wird.
e-Books stellen ein paar grundlegende Fragen, sie fordern nicht nur traditionelle Strukturen, sondern auch die kulturellen Kompetenzen heraus.
  • Wie liest es sich mit elektronischen Geräten?
  • Welche Standards bieten e-book-Texte an?
  • Digital Rights Management: ja oder nein?
  • Worauf ist beim Erwerb eines Readers zu achten?

eBooks programmieren

eBooks sprechen je unterschiedliche Formate an, u.a.:
  • PDF lässt sich auf iPad, Tabelts und allen Computern generell lesen
  • epub ist ein gebräuchliches Format für eReader
  • Amazon Kindle benutzt als proprietäres Format für den eigenen Kindle-Reader.
Während das PDF leicht zu konvertieren ist, benötigt das epub-Format spezielle Tools; mitunter sind solche Programme kostenlos herunterzuladen:
  • Calibre: Kostenloses Tool für Windows, Mac OSX und Linux, mit dem Sie verschiedene Formate zu EPUB konvertieren können. Calibre ist eines der besseren Konvertierungs-Tools, da der Stil des Quelldokumentes erhalten bleibt.
  • eCub: eCub ist ein Übergangs-Plattform Tool für das Erstellen von EPUB und MobiPocket Büchern. eCub bietet eine praktische Art und Weise, Text und XHTML Dateien zu importieren und alle benötigen Komponenten für eine EPUB-Datei zu erstellen.
  • Google EPUB Toolkit: Open-source EPUB Konvertierungs-Tool für technisch begabte Autoren oder für alle, die etwas Programmierkenntnisse haben.
  • stanza ist für Mac geeignet.
  • Zudem lassen sich epub-Formate unter dem bewährten, aber teuren Adobe InDesign programmieren.
Doch Achtung, die Resultate sind oft bescheiden in der Qualität, wenn es schnell und einfach gehen soll. Ein gutes epub benötigt eine Programmierung in xml.
link epub eBooks Tutorial

Der Libroid

Die zurzeit modernste elektronische Buchform ist der Libroid. Der Libroid demonstriert, welches Potenzial im e-Book steckt. Der Sachbuchautor Jürgen Neffe hat seine als Buch erfolgreiche Darwin-Biographie in eine iPad Applikation umgewandelt und umgearbeitet. Dafür hat er ein Layout entwickelt, das von der Buchform wesentlich abweicht. Der Text lässt sich wie eine Schriftrolle herunterscrollen, links und rechts wird er eingerahmt von einer Bildspalte respektive von ergänzenden Internetressourcen und Klängen.
link Website des Libroid

2.3. Das Buch aus der Datenbank

Lesen am Netz

"Lesen am Netz" ist eine offene, zukunftsorientierte Buchreihe mitsamt Webseite, die angesiedelt ist an Schnittstellen von Literatur, Wissenschaft, Kunst, Medien und Gesellschaft. Angestrebt wird dabei eine essayistische Form, die zwischen den Disziplinen und Medien zu vermitteln vermag. Entsprechend verknüpft die Reihe die analoge Buchform mit einer digitale Webseite, um die Texte so in ein Informationsnetz einzubetten, das je die spezifischen Qualitäten von Buch und Internet nutzt. So wie das Buch eine redaktionell gefestigte Einheit darstellt, so kann die Webseite flexibel angepasst und ergänzt werden.
Eine Spezialfunktion erlaubt es, die einzelnen Textkapitel neu für eigene Zwecke zusammenzusetzen und sie als PDF auszudrucken. Der Sammler wird dabei zum Ko-Autor. Farblich markierte Stichworte verknüpfen gut sichtbar die Texte zusätzlich.
link Lesen am Netz / Buch und Web

Edition Rokfor

Rokfor verknüpft Forschung, editorische Prozesse und generatives Design mittels einer eigens entwickelten Software. Als Grundlage dient eine Datenbank, in die Texte eingefüllt werden. Die eigentliche Produktion erfolgt per Knopfdruck, indem die Software die Endgestaltung (inklusive Grafik und Textsortierung) aufgrund vorher eingerichteter Parameter besorgt. Am Ende resultiert eine druckfähige PDF-Datei.
Die Datenbank erlaubt zudem auch eine editorische Praxis, die über frei zu definierende Parameter und Stichworte je individuelle Bücher generiert.

Mit diesem System lassen sich so auf Knopfdruck beliebige Bücher und Broschüren herstellen, die ihren Zwecken flexibel angepasst sind.
link Rokfor Homepage

Die spielerische Anwendung at random

Der Encyclopaedizer ist eine digitale Wissensmaschine, die online das gesamte Weltwissen verfügbar macht. Und er ist ein automatisch designtes Buch, das als Book on demand bestellt werden kann. Der Encyclopaedizer weiss im Grunde alles - und sagt es auch.

Erstaunlich für ein automatisch generiertes Buch hat der Encyclopaedizer 2006 eine Auszeichnung "Schönste Bücher der Schweiz" erhalten.

link Der Encyclopaedizer online
link Seesite - ein Projekt mit dem Encyclopaedizer
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